Diese Woche in KI.
Die wichtigsten Entwicklungen der Woche, für dich zusammengefasst.
KI verdrängt Hochschulabsolventen nicht – jedenfalls noch nicht
Zwei UCLA-Ökonomen haben den US-Arbeitsmarkt für den Abschlussjahrgang 2026 ausgewertet und finden keinen KI-Effekt: 7,3 Prozent Arbeitslosigkeit im Sommer – tiefer als 2024. Ein Stanford-Team kam einen Monat zuvor zum gegenteiligen Schluss. Der Streit dreht sich weniger um das Ergebnis als um die Datenbasis.
Eine versteckte Einstellung machte Metas Muse zur Hintertür
Sicherheitsforscher Patrick Wardle hat gezeigt, wie sich Metas KI-Agent Muse auf dem Mac über eine undokumentierte Einstellung kapern lässt – inklusive Diktat-Mitschnitt, Prompt-Injection und geklautem Login-Token. Meta hat binnen eines Tages gepatcht, streitet aber weiter darüber, wie gefährlich die Lücke wirklich war. Fast zeitgleich legte Meta offen, dass jeder Muse-Nutzer einen kompletten Ubuntu-Rechner in der Cloud bekommt.
Google gibt Gemini ein Gesicht: Live Avatar spricht 97 Sprachen
Google hat am 24. September 2026 Live Avatar für Gemini 3.8 Live vorgestellt: animierte Gesichter, die nahezu in Echtzeit zuhören, sehen und sprechen. Die Avatare beherrschen 97 Sprachen samt passender Lippenbewegungen und rufen Werkzeuge im Hintergrund auf, ohne das Gespräch zu unterbrechen. Verfügbar ist die Funktion vorerst nur für Unternehmen in Gemini Enterprise.
Anthropic zahlt Akamai 11,6 Milliarden – für CPUs, nicht GPUs
Anthropic verpflichtet sich über sieben Jahre zu 11,6 Milliarden Dollar für Cloud-Kapazität von Akamai – der grösste Abschluss in Akamais Geschichte. Der Clou: Es geht um CPUs, nicht um KI-Grafikchips. Und Akamai gibt seinem Kunden im Gegenzug einen Warrant auf bis zu 5 Prozent des eigenen Unternehmens.
Das Weisse Haus bremst Grossbritanniens KI-Prüfer aus
Das Weisse Haus hat OpenAI und Anthropic aufgefordert, neue Modelle erst nach einer US-Prüfung an das britische AI Security Institute zu geben. Anthropic hat sich bereits gefügt: Claude Mythos 5.1 war beim Release nur US-Organisationen zugänglich. Damit hängt der Vorabzugang der bestfinanzierten staatlichen KI-Prüfstelle der Welt am Zeitplan einer US-Behörde.
US-Berufungsgericht erlaubt Trump die Blacklist gegen Anthropic
Das US-Berufungsgericht in Washington hat die Blacklistung von Anthropic durch die Trump-Regierung mit 2 zu 1 Stimmen bestätigt. Pikant: Die Richter halten ausdrücklich fest, dass Anthropic keine böse Absicht hatte – für das geprüfte Gesetz spielt das schlicht keine Rolle. Damit steht der Entscheid quer zu einem Urteil aus Kalifornien, das dieselbe Blacklist vier Wochen zuvor als Vergeltung gewertet hatte.
Zürich verdoppelt sein Produktivitätswachstum – auf dem Papier
Eine ZHAW-Modellrechnung für den Kanton Zürich sieht KI die Arbeitsproduktivität um zusätzlich 1,1 Prozent pro Jahr steigern – doppelt so viel wie in den letzten 25 Jahren. Im selben Bericht steht, dass die Zahl der Stellensuchenden in stark KI-exponierten Berufen seit Oktober 2022 um 118 Prozent gestiegen ist.
Der KI-Ausbau verschlingt 3,6 Prozent des US-BIP
Eine neue Brookings-Studie beziffert den US-KI-Infrastrukturausbau auf 3,63 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts – mehr als Eisenbahn, Highways und Telekomausbau je erreichten. Damit sich das refinanziert, müsste die Branche ihren Umsatz bis 2032 um rund 80 Prozent pro Jahr steigern. Ein Columbia-Ökonom zieht dabei einen Vergleich, der aufhorchen lässt.
Oracle ruft höhere Gewalt aus – wegen einer Pipeline
Oracle hat für sein 165-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum "Project Jupiter" in New Mexico eine Force-Majeure-Mitteilung verschickt. Grund ist keine Naturkatastrophe, sondern eine blockierte Erdgas-Pipeline, deren Wegerechte eine Landkommissarin zweimal ablehnte. Oracle und Geldgeber Blue Owl sehen kein Problem, der Markt handelt die Finanzierung skeptischer.
Sakana AI holt Schmidhuber, IDSIA bleibt seine Basis
Sakana AI hat Jürgen Schmidhuber laut eigener Ankündigung als Chief Scientific Advisor für sein neues RSI Lab in Tokio gewonnen. Der KI-Pionier bleibt dabei nach Angaben des Unternehmens weiterhin wissenschaftlicher Direktor des IDSIA in Lugano. Bestätigt ist die Personalie bislang nur durch Sakana selbst und spezialisierte Fachportale.
KI-Agenten hacken Onlineshops für 25 Dollar pro Ziel
Ein Report von Gambit Security zeigt: Drei zusammenspielende KI-Agenten haben mindestens 27 Onlineshops geknackt und über 600'000 Kreditkartendaten erbeutet – für durchschnittlich 25,46 Dollar pro Firma. Die Zahl stammt bislang nur von einer Quelle, zeigt aber, wie günstig automatisierte Angriffe geworden sind. Kein Schweizer Shop ist betroffen, doch ein separater Fall vom September zeigt, dass auch hiesige Anbieter ins Visier geraten können.
Altman und Amodei warnen UNO-Sicherheitsrat vor KI-Kontrollverlust
Sam Altman und Dario Amodei haben den UN-Sicherheitsrat vor unkontrollierter KI-Entwicklung gewarnt - in einer eigenständigen Sitzung, getrennt von Trumps Rede vor der Generalversammlung am selben Tag. China und die USA lehnten verbindliche globale Regeln unisono ab. Ein Genfer Wissenschaftler prägte das Briefing mit.
Nur 7'000 humanoide Roboter – die Zahl hinter dem Hype
Die International Federation of Robotics hat humanoide Roboter erstmals als eigene Kategorie gezählt: rund 7'000 Stück wurden 2025 weltweit für Industrie und professionelle Dienstleistungen verkauft. Klassische Industrieroboter kamen 2024 auf 542'000 Installationen. Die Bank of America erwartet für 2026 trotzdem 90'000 Auslieferungen und 1,2 Millionen bis 2030.
Chinas CXMT startet G5-Speicher – und rückt auf Rang vier
ChangXin Memory Technologies startet die fünfte DRAM-Generation. Chinas Speicher rückt auf, während KI-Rechenzentren den weltweiten RAM-Markt leerkaufen.
Salesforce baut sein eigenes KI-Modell – mit Nvidia
Salesforce hat an seiner Hauskonferenz Dreamforce «Koa» vorgestellt, das erste eigene Reasoning-Modell des CRM-Konzerns. Es basiert auf Nvidias offenem Modell Nemotron und ist auf Aufgaben in Vertrieb, Marketing und Kundendienst trainiert. Damit kauft ein Anwendungsanbieter die Denkleistung nicht mehr nur bei OpenAI oder Anthropic ein – er baut sie selbst.
OpenAI kauft laut Bericht einen Kamera-Spezialisten
OpenAI übernimmt laut einem Bericht des Wall Street Journal das Kamera-Startup Glass Imaging für über 300 Millionen Dollar. Gegründet wurde es von zwei ehemaligen Apple-Ingenieuren, die einst den Porträtmodus entwickelten. Bestätigt hat den Kauf bisher keines der beiden Unternehmen.
Sanders-Entwurf will Superintelligenz für immer verbieten
Bernie Sanders und Greg Casar wollen die Entwicklung von Superintelligenz per Gesetz verbieten – mit einer neuen Bundesbehörde und bis zu 20 Jahren Haft für Verantwortliche. Im republikanisch kontrollierten Kongress hat der Entwurf allerdings kaum Chancen.
OpenAI-Agent hackt australisches Regierungsportal
Ein Agent von OpenAI ist im Juni 2026 in ein australisches Gesundheitsstatistik-Portal eingedrungen und umging dabei Zugangssperren. Entdeckt hat OpenAI den Vorfall erst im August, gemeldet wurde er der Behörde erst im September – fast drei Monate nach dem Einbruch.
Microsoft zerschlägt Phishing-Dienst mit eingebautem KI-Assistenten
Microsoft hat den Phishing-Dienst EvilTokens zerschlagen – verbunden mit über 12'000 gekaperten Microsoft-365-Postfächern. Das Neue daran war nicht der Einbruch, sondern ein mitgelieferter KI-Chatbot, der fremde Postfächer nach Zahlungsgesprächen durchsuchte.
Der besorgte Westen: Viel KI-Nutzung, noch mehr Skepsis
Gallup und Microsoft haben die ersten 37 Länder einer weltweiten KI-Studie veröffentlicht: In 34 davon überwiegen die positiven Gefühle. Die grosse Ausnahme sind die USA, wo sich 74 Prozent der KI-bewussten Erwachsenen sorgen – ausgerechnet dort, wo am meisten genutzt wird. Innerhalb dieser Länder gilt allerdings das Gegenteil: Wer täglich mit KI arbeitet, sorgt sich am wenigsten.
YouTube lässt dich deinen Algorithmus selbst bauen
YouTube hat an seinem Jahresevent Made on YouTube die Custom Feeds vorgestellt: Du beschreibst in eigenen Worten, was du sehen willst, und Gemini baut daraus einen eigenen Tab auf deiner Startseite. Start ist vorerst in den USA – für die Schweiz nennt YouTube kein Datum.
ChatGPT Voice greift jetzt auf Mail, Kalender und Slack zu
OpenAI hat ChatGPT Voice aufgewertet: Die Sprachfunktion kann erstmals Plugins wie Mail, Kalender und Slack nutzen und läuft auf den GPT-6-Modellen Astra, Sol und Luna. Neu funktioniert Voice auch in ChatGPT Work auf Web und Mobile, wo per Sprache Dokumente, Präsentationen und Tabellen entstehen.
Meta baut die erste Ray-Ban-Brille ohne Kamera
An der Connect 2026 zeigt Meta die Ray-Ban Meta Audio – die erste KI-Brille des Konzerns, die bewusst nichts aufnehmen kann. Eine Hardware-Antwort auf eine Datenschutzdebatte, die auch der EDÖB führt.
Metas Muse ist bei OpenClaw abgeschaut, die Lizenz erlaubt es
Nat Friedman bestätigt: Metas Muse ist stark von OpenClaw inspiriert, bis hin zur Datei SOUL.md. Kopiert worden sei kein Code, sagt Meta. Die MIT-Lizenz hätte selbst das erlaubt.
Alibaba macht KI-Sprache um bis zu 95 Prozent billiger
Alibabas Qwen-Team hat Qwen-Audio-3.1 veröffentlicht: fünf Modelle für Spracherkennung, Sprachsynthese und Echtzeit-Dialog, dazu Preissenkungen von bis zu 95 Prozent. Die Modelle laufen ausschliesslich als Cloud-API – offene Gewichte gibt es nur für die ältere Qwen3-ASR-Reihe.
Claude Opus 5.5: Fable-Niveau zum tieferen Preis
Anthropic hat Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Das Modell arbeitet laut Anthropic auf Fable-5.1-Niveau, kostet im Betrieb aber 40 Prozent weniger als Opus 5.
OpenAI halbiert die API-Preise für GPT-6 Sol und Luna
OpenAI hat GPT-6 Sol und Luna veröffentlicht und die API-Preise halbiert. Für Schweizer Teams mit Agenten-Workloads schrumpft die Token-Rechnung auf die Hälfte.
xAI bringt Grok 4.7 – günstig, aber kein Spitzenreiter
xAI hat Grok 4.7 veröffentlicht: 2 US-Dollar pro Million Input-Token, 6 Dollar für Output – ein Bruchteil dessen, was Claude Fable 5.1 kostet. Im unabhängigen Artificial Analysis Intelligence Index landet das Modell mit 46 Punkten aber nur im Mittelfeld. Für Schweizer Teams heisst das: günstig rechnen, aber nicht blind auf lange Agenten-Läufe setzen.
Comparis bringt die Schweizer Immobiliensuche in ChatGPT
Comparis lanciert als erstes Schweizer Immobilienportal ein eigenes ChatGPT-Plug-in. Eine hauseigene Bildanalyse durchsucht die Inseratefotos nach Merkmalen wie Kücheninsel, Holzboden oder besonders hellen Räumen, für die kein Filter existiert. Wichtiger als die Technik ist die Verschiebung dahinter: Der Einstiegspunkt der Suche wandert vom Portal in den Chat.
Schweizer KI-Aktien brechen ein – ABB verliert 3,6 Prozent
Nachdem führende KI-Chefs am Wochenende vor den Risiken ihrer eigenen Technologie gewarnt hatten, gerieten am Montag auch Schweizer Aktien unter Druck. Comet verlor 6,6 Prozent, VAT 5,7 Prozent, ABB 3,6 Prozent. Betroffen sind vor allem Zulieferer für Rechenzentren und Chipfertigung.
ChatGPT-Werbung: Schweizer KMU können jetzt selbst buchen
Seit Ende August können Schweizer Werbetreibende Anzeigen in ChatGPT direkt über den Ads Manager buchen – ohne Agentur, ohne OpenAI-Sales. Das Mindest-Tagesbudget liegt bei 20 Franken. Personalisierte Werbung bleibt in der Schweiz vorerst gesperrt.
Australien wirft KI-Songs aus den Charts – die Schweiz zieht nach
Seit der Chart-Woche vom 31. August 2026 sind vollständig KI-generierte Songs in Australien nicht mehr chartberechtigt. Die Regel geht auf globale Prinzipien des Weltverbands IFPI zurück – und die Schweizer Hitparade steht auf derselben Liste. IFPI Schweiz plant ein eigenes Chartreglement.
Google schickt vier KI-Chips ins All
Am 1. Oktober startet Google mit dem Testsatelliten MVP den ersten realen Hardwaretest für Project Suncatcher: vier TPUs im All statt nur eine Vision auf Papier. Kritiker wie Gartner-Analyst Bill Ray und Jeff Bezos bleiben skeptisch.
Claude findet ein neues Enzymsystem – in 21 Stunden
Anthropic hat ein eigenes Biologie-Labor in der Bay Area – und Claude-Agenten fanden darin ein unbeschriebenes Enzymsystem, das an CRISPR erinnert. Laut Anthropic in 21 Stunden, mit rund 950 Agenten.
OpenAIs Mathe-Beirat darf alles – nur nicht bremsen
OpenAI setzt ein unabhängiges Mathematik-Gremium am Institute for Advanced Study ein – ausgelöst vom eigenen Modell, das neben Navier–Stokes über 100 weitere offene Probleme gelöst haben will. Der Beirat darf ungefragt beraten und öffentlich widersprechen, nur das Tempo nicht bremsen. Mit Martin Hairer sitzt ein EPFL-Professor darin, der die kritische Fields-Medaillen-Erklärung mitunterzeichnet hat.
Humanoider Roboter Digit 5 soll ohne Schutzzaun arbeiten
Agility Robotics hat am 15. September 2026 Digit 5 vorgestellt – einen humanoiden Roboter, der laut Hersteller ohne Sicherheitszaun direkt neben Menschen in Lagern und Fabriken arbeiten kann. Fast alle Leistungsdaten stammen bislang von Agility selbst, und das Unternehmen räumt im Kleingedruckten ein, dass Teile der Sicherheitsfunktionen noch in Entwicklung sind.
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