Diese Woche in KI.
Die wichtigsten Entwicklungen der Woche, für dich zusammengefasst.
Anthropic lässt KI-Agenten Laborgeräte steuern – vorerst nur auf Einladung
Anthropic hat den Model Hardware Standard als Research Preview gestartet – eine Spezifikation, mit der KI-Agenten Mikroskope, Pipettierroboter und Roboterarme gleichzeitig bedienen. Erste Partner hängten ihre Geräte in acht Stunden statt mehreren Wochen zusammen. Open Source ist angekündigt, bisher gibt es nur eine Warteliste.
Google bucht jetzt Hotels – aber nicht in der Schweiz
Googles AI Mode kann seit dem 27. August Flugpreise überwachen, Meilenpreise anzeigen und Hotels direkt im Chat buchen. Die Buchung läuft vorerst nur in den USA und nur auf Englisch. Bezahlt wird per Google Pay – haften tut trotzdem das Hotel.
Gemini 3.5 Transcribe: 85 Sprachen für 30 Cent pro Stunde
Googles neues Speech-to-Text-Modell transkribiert in Echtzeit und entfernt Füllwörter. Für Schweizer Firmen bleiben Dialekt und Datenstandort offen.
Die Schweiz nutzt KI – und wünscht sie sich weg
Monda Futura und gfs.bern liessen 2'203 Personen 40 Zukunftsszenarien bewerten. KI im Alltag landete auf Rang 39 von 40 – obwohl vier von fünf sie nutzen.
Anthropic mietet für 45 Milliarden Dollar Rechenleistung bei Nscale
Anthropic hat laut Bloomberg für rund 45 Milliarden Dollar Rechenkapazität beim britischen Anbieter Nscale gebucht – sechs Jahre, 460 Megawatt, ab Ende 2027. Kurz vor dem Börsengang zeigt der Deal vor allem eines: die Kostenseite.
118 Firmen warnen vor KI-Angriffen – und verkaufen die Lösung
OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft, SAP und über hundert weitere Firmen warnen in einem offenen Brief vor KI-gestützten Angriffen auf Spitäler, Wasserwerke und Internet-Infrastruktur. Der Brief nennt weder Frist noch Betrag – bewirbt aber Produkte, die die Unterzeichner selbst verkaufen.
Chinas GLM-5.3-Flash läuft ohne Nvidia – und trägt MIT-Lizenz
Z.ai hat GLM-5.3-Flash freigegeben: 320 Milliarden Parameter unter MIT-Lizenz, drei Punkte hinter dem grossen Schwestermodell – zum Siebtel des Preises. Die ganze Testphase lief auf chinesischen Chips. Was daran belegt ist und was nicht.
Nvidia soll Hugging Face für 12,9 Milliarden kaufen
Laut einem Bericht des Fachdienstes The Information hat Nvidia zugestimmt, die Open-Source-Plattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zu übernehmen – rund das 86-Fache des Jahresumsatzes. Bestätigt ist davon nichts: Beide Firmen schweigen, und ein zweiter Bericht spricht von Gesprächen ohne unterschriebenen Vertrag. Für die Schweiz zählt der Fall, weil Apertus auf Nvidia-Chips trainiert wurde und über Hugging Face verteilt wird.
Claude und Cowork teilen sich jetzt ein Gedächtnis
Anthropic hat am 25. August 2026 die Gedächtnisse von Claude-Chat und Claude Cowork zusammengelegt: Was du im Chat erzählst, weiss ab sofort auch der Agent — und umgekehrt. Auf Free, Pro und Max ist die Funktion standardmässig aktiv, auf Team und Enterprise nicht. Sensible Themen wie Gesundheit oder Religion bleiben aussen vor, bis du sie ausdrücklich freischaltest.
Amazon schliesst Mechanical Turk – die KI hat übernommen
Nach 21 Jahren ist am 30. September Schluss. Eine EPFL-Studie zeigte schon 2023: Ein Drittel bis die Hälfte der Worker nutzte selbst KI.
Bill Gates will Robotersteuer – und Jobs nur für Menschen
Bill Gates fordert in einem neuen Essay eine Steuer auf KI und Roboter – und eine Kategorie Arbeit, die bewusst Menschen vorbehalten bleibt. Bis zu 40 Prozent aller Jobs liessen sich so schützen, sagt er. In der Schweiz muss der Bundesrat seit März 2026 genau diese Frage prüfen.
IBM gibt Granite 4.2 frei – ohne Lizenzhaken
IBM veröffentlicht Granite 4.2 in den Grössen 3B, 8B und 30B unter Apache 2.0 – frei herunterladbar, feintunebar, produktiv einsetzbar. Klein genug fürs eigene Rechenzentrum.
Meta stoppt den KI-Massenabbau – die Agenten lieferten nicht
Unter dem Codenamen «Project OT» wollte Meta einzelne Teams um bis zu 60 Prozent verkleinern und die Arbeit KI-Agenten überlassen. Stunden vor der ersten Entlassungswelle stoppte Mark Zuckerberg die zweite – die Agenten produzierten 220 Prozent mehr Code, aber nur 36 Prozent mehr Funktionen, die bei Nutzern ankamen.
OpenAIs erster eigener Chip schlägt Nvidia beim Strom
Erste Benchmarks für den Inferenz-Chip Jalapeño: 1,5 bis 1,9 Mal mehr KI-Arbeit pro Watt als Nvidias Blackwell. SemiAnalysis sieht sogar Rubin überholt.
Nvidia soll bei Perplexity einsteigen – laut einem einzigen Bericht
Laut einem Bericht von The Information verhandelt Nvidia über eine Beteiligung an Perplexity – bei einer Bewertung von über 30 Milliarden Dollar. Bestätigt ist nichts: Alle Meldungen gehen auf diesen einen Bericht mit anonymen Quellen zurück. Aufschlussreicher als das Gerücht ist das Muster dahinter – Nvidia investiert seit Jahren in die eigenen Kunden.
Thomson Reuters baut eigenes KI-Modell – und mietet trotzdem Claude
Thomson Reuters hat rund 40 Millionen Dollar in ein eigenes Sprachmodell für Rechtsarbeit gesteckt. Die letzte Trainingsrunde kostete davon nur 450'000 – der Rest ging in Personal und Content. Und das wichtigste Produkt läuft weiterhin auf Anthropics Claude Agent SDK. Was Schweizer Firmen aus dieser Rechnung lernen.
OpenAI legt offen, wie seine Agenten Hugging Face hackten
OpenAI hat den offiziellen technischen Report zum Hugging-Face-Vorfall publiziert – 38 Seiten, die erstmals die vollständige Kausalkette zeigen. Der unbequemste Befund: Die Firma bemerkte den Einbruch erst eine Woche später.
Chinesische Hacker verdoppeln ihre Angriffe – mit DeepSeek
Staatsnahe chinesische Hackergruppen haben ihr Angriffsvolumen laut der taiwanischen Sicherheitsfirma TeamT5 mehr als verdoppelt, seit sie KI für Aufklärung und Exploit-Entwicklung einsetzen – bevorzugt DeepSeek. Das BACS meldet für die Schweiz 27'128 freiwillige Meldungen im ersten Halbjahr 2026.
OpenAI stoppt russische Einflusskampagne mit ChatGPT
OpenAI hat ein Cluster von ChatGPT-Konten aus Russland gesperrt, das Social-Media-Posts für ein erfundenes «International Burke Institute» erzeugte – darunter deutschsprachige Telegram-Inhalte gegen die EU. Die Reichweite blieb klein, die Infrastruktur dahinter war auf Wachstum angelegt.
«AI lab leak»: Alabama zwingt OpenAI zur Offenlegung
Alabamas Generalstaatsanwalt Steve Marshall hat OpenAI eine Herausgabeverfügung zugestellt. Bis zum 14. September muss der Konzern offenlegen, wer am Hugging-Face-Vorfall vom Juli beteiligt war, welche Netzwerke betroffen waren und welche Sicherheitsmassnahmen galten.
KI-Agenten überholen Menschen: 14-mal mehr Tokens
Auf OpenRouter verbrauchen KI-Agenten seit Anfang Februar 2026 mehr Tokens als Menschen – ihr Verbrauch ist seither um das 14-Fache gestiegen, der menschliche nur um das 2,8-Fache. Ein agentischer Auftrag frisst rund 15-mal mehr Tokens als eine Chat-Anfrage. Wer KI-Budgets noch für Chat plant, plant falsch.
Anthropics stärkstes Modell scannt jetzt Firmencode nach Lücken
Anthropic lässt seinen Sicherheits-Scanner Claude Security ab sofort auf Claude Mythos 5 laufen – dem stärksten Modell des Hauses, das wegen seiner Cyber-Fähigkeiten nie breit freigegeben wurde. Enterprise-Kunden prüfen damit ihre Codebasis auf Schwachstellen und bekommen pro Fund eine CWE-Kategorie, eine Severity-Einstufung und einen Fix-Vorschlag; freigeben muss jeden Patch ein Mensch. Dazu kommen ein 35-Millionen-Dollar-Fonds für Open-Source-Sicherheit und Mythos-Integrationen in Partnerprodukte, die Spitäler, Versorger und Banken schützen.
Google gibt Verlagen einen Knopf gegen den Traffic-Schwund
Google hat am 20. August einen einbettbaren Knopf für Verlage vorgestellt: Ein Klick macht die Website zur bevorzugten Quelle in Suche, AI Overviews und KI-Modus – und schickt die Lesenden sofort dorthin zurück, wo sie waren. Über 600'000 Quellen sind laut Google bereits markiert. Die Funktion ist global verfügbar, also auch in der Schweiz.
GPT-Image-2 liefert Bilder ohne Hintergrund – ein Parameter genügt
OpenAI hat für sein Bildmodell GPT-Image-2 transparente Hintergründe als Preview freigegeben. Ein einziger Parameter genügt, damit statt eines weissen Kastens ein PNG mit echtem Alphakanal herauskommt. Wo das sofort Arbeit spart – und wo du trotzdem nachkontrollieren musst.
Alibaba zeigt die Qwen4-Architektur – zum Zwölftel-Preis
Alibabas Qwen-Team hat Qwen3.8-Flash-Next veröffentlicht – ein Modell mit offenen Gewichten, das die Architektur des kommenden Qwen4 vorwegnimmt. 125 Milliarden Parameter, davon nur 6 Milliarden aktiv pro Token, und ein API-Preis von 0.16 Dollar pro Million Eingabe-Tokens: rund ein Zwölftel dessen, was Alibabas eigenes Flaggschiff kostet.
DeepSeek gibt Flash Augen – und behält diesmal die Gewichte
DeepSeek hat sein günstiges V4-Flash um Bildverständnis erweitert – zum identischen Preis, ohne Aufschlag. Laut DeepSeeks eigener Tabelle kommt das experimentelle Modell nahe an Claude Opus 4.8 heran und schlägt es auf drei von elf Benchmarks. Zwei Details fehlen in den Schlagzeilen: Jedes Bild wird auf 0,64 Megapixel eingedampft – und die Gewichte veröffentlicht DeepSeek diesmal nicht.
Qwen3.8 ist offen – Apache 2.0 aber nur für das kleine Modell
Alibabas Qwen-Team hat die Gewichte von Qwen3.8 freigegeben. Apache 2.0 gilt aber nur fürs 27B-Modell – beim Max steht Kleingedrucktes im Lizenztext.
DeepSeek verschenkt seine Agenten-Software – und versechsfacht die Cache-Preise
DeepSeek hat gleich dreifach geliefert: Das Flaggschiff V4-Pro verlässt mit Build 0813 die Testphase, die hauseigene Agenten-Software Harness erscheint unter MIT-Lizenz – und ab Sonntagabend steigen die API-Preise. Am stärksten trifft es ausgerechnet die Cache-Hits, von denen Coding-Agenten leben.
Zürcher Polizei-KI landet vor dem Bundesgericht
Digitale Gesellschaft, DJZ, CCC Zürich und drei Parteien ziehen gegen das revidierte Zürcher Polizeigesetz vor Bundesgericht – wegen KI-Analyse und automatisiertem Datenaustausch.
Vier von fünf in der Schweiz nutzen KI
Der IGEM-Digimonitor 2026 zeigt: 80 Prozent nutzen KI-Dienste – doppelt so viele wie 2024. Fast jede dritte Person täglich.
Drei Schweizer Spitäler lassen KI aus Fehlern lernen
Das Universitätsspital Lausanne koordiniert ein nationales KI-Projekt, das Schweizer Spitälern helfen soll, systematisch aus kritischen Zwischenfällen zu lernen. Der Bund zahlt dafür rund 480'000 Franken. Getestet wird der KI-Assistent in drei Sprachregionen gleichzeitig.
ChatGPT-Werbung startet am 24. August auch in der Schweiz
Ab Montag, 24. August 2026, blendet ChatGPT in 31 europäischen Märkten Werbung ein – die Schweiz ist dabei. Betroffen sind die Gratisversion und der günstige Go-Tarif. Plus, Pro und die Business-Abos bleiben werbefrei.
Inherents Faraday schlägt Claude und GPT-5.5 – im eigenen Test
Das Londoner Lab Inherent hat einen Agenten mit 27 Milliarden Parametern gebaut, der publizierte Forschung nachbaut – und dabei laut eigenen Messungen Claude Opus 4.8 und GPT-5.5 schlägt. Der Trick: Der kleine Agent dirigiert den grossen. Eine unabhängige Nachprüfung steht aus.
Nvidia zeigt: Das Gerüst schlägt das Modell
Nvidias Forschungssystem AVO holt mit Claude Opus 5 einen perfekten Score von 100,00 auf dem öffentlichen Set des Benchmarks ARC-AGI-3. Dasselbe Modell allein kommt auf 30,16 Prozent. Den Unterschied macht nicht das Modell, sondern der Harness – das Gerüst aus Gedächtnis, Werkzeugen und Aufsicht drumherum.
Ein Drittel oder ein Zehntel? Beide Zahlen stimmen
Das Pew Research Center hat 490'000 Webseiten auf KI-Spuren untersucht. Die eine Hälfte der Presse titelt «ein Drittel des Webs», die andere «zehn Prozent». Beide zitieren dieselbe Studie – und beide haben recht. Der Unterschied liegt in einem einzigen Filter.
Terence Tao: KI stürzt die Mathematik in eine Wertekrise
Fields-Medaillist Terence Tao warnt in einem neuen Essay: KI führt die Mathematik in eine Krise, die so grundlegend ist wie jene um Russell und Gödel. Diesmal steht nicht die mathematische Wahrheit auf dem Prüfstand, sondern die Werte des Fachs – was zählt als Beitrag, wer hat die Arbeit gemacht.
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