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Der Bund will KI für alle – acht Massnahmen und noch kein Budget

Der Bundesrat hat einen konkreten Umsetzungsplan mit acht Massnahmen für den KI-Einsatz in der Bundesverwaltung beschlossen – inklusive eines eigenen KI-Systems für alle Mitarbeitenden. Doch der Finanzierungsentscheid steht noch aus.

Montag, 2. März 2026~3 Min. Lesezeit
Pascal Eugster
Pascal EugsterGründer & Entwickler
Illustration des Bundeshauses mit Antenne auf dem Dach, Amtssiegel und Stapel von Policy-Dokumenten – kinewsletter.ch Stil
Illustration des Bundeshauses mit Antenne auf dem Dach, Amtssiegel und Stapel von Policy-Dokumenten – kinewsletter.ch Stil
Das Wichtigste

Die Schweizer Bundesverwaltung bekommt ein eigenes KI-System und einen internen Marktplatz – aber wie schnell das kommt, hängt vom Budget ab, das frühestens im Frühjahr 2026 entschieden wird.

Die Bundesverwaltung soll ein eigenes KI-System bekommen – und zwar nicht nur für die Chefetage, sondern für alle rund 40'000 Mitarbeitenden. Der Bundesrat hat im Dezember 2025 einen Umsetzungsplan mit acht konkreten Massnahmen genehmigt. Was steckt dahinter?

Der Hintergrund

Die heutige KI-Strategie baut auf sieben Leitlinien auf, die der Bundesrat bereits im November 2020 verabschiedet hat: Mensch im Mittelpunkt, Transparenz, Rechenschaftspflicht, Sicherheit. Im September 2024 beauftragte er die Bundeskanzlei, daraus eine konkrete Teilstrategie zu erarbeiten. Im März 2025 lag sie vor – mit drei Grundsätzen: vertrauenswürdiger KI-Einsatz, Kompetenzaufbau bei den Mitarbeitenden und Prozessoptimierung.

Der entscheidende Schritt folgte am 12. Dezember 2025: Der Bundesrat genehmigte den konkreten Umsetzungsplan mit acht Massnahmen und stärkte gleichzeitig das Kompetenznetzwerk Künstliche Intelligenz (CNAI).

Was genau geplant ist

Vier der acht Massnahmen sind öffentlich detailliert:

Bundesinternes KI-System: Alle Verwaltungsmitarbeitenden sollen Zugang zu einem generativen KI-System erhalten. Ein Vorläufer existiert bereits: Gov-GPT, eine Eigenentwicklung des Bundesamts für Informatik (BIT) auf Basis von Meta Llama. Das System läuft seit November 2024 als Pilot in den gesicherten Rechenzentren des Bundes – bisher aber nur für die oberste Führungsebene (Bundesrätinnen, Amtsdirektoren, Staatssekretäre). Informationen bis Stufe «vertraulich» dürfen verarbeitet werden. Gov-GPT dürfte als technischer Vorläufer für das breitere System dienen.

Interner KI-Marktplatz: Bundesämter sollen über eine zentrale Plattform auf wiederverwendbare «KI-Bausteine» zugreifen können – etwa Chatbots oder Übersetzungstools, die andere Stellen bereits entwickelt haben. Ziel: keine Doppelentwicklungen.

Handbuch und rechtliche Grundlagen: Ein Handbuch für den KI-Einsatz wird erarbeitet. Bereits verfügbar sind Merkblätter zur Nutzung generativer KI-Werkzeuge, zu Large Language Models und zu DeepL Pro Translator (alle aktualisiert Ende 2025).

Bundesweite Potenzialerfassung: Systematisch wird erhoben, wo KI Verwaltungsprozesse optimieren kann.

Weiter als gedacht

Was viele nicht wissen: Laut der CNAI-Projektdatenbank laufen bereits 60 bis 90 KI-Projekte in verschiedenen Bundesämtern. Darunter: Vorhersage des nationalen Stromverbrauchs (produktiv), Warendeklarationsanalyse beim Zoll (produktiv), Wetter- und Pollenprognosen bei MeteoSchweiz, Betrugsbekämpfung bei der WEKO, über fünf Chatbot-Projekte bei verschiedenen Stellen und maschinelle Übersetzung bei der Bundeskanzlei.

Der Haken: Noch kein Budget

Der Finanzierungsentscheid steht per März 2026 noch aus. Der Bundesrat hat den Budgetbeschluss auf das Frühjahr 2026 verschoben. Die offizielle Kommunikation ist klar: Die Finanzierung wird massgeblichen Einfluss darauf haben, wie schnell und umfassend die Massnahmen umgesetzt werden. Ein erschwerender Faktor ist der erhebliche Konsolidierungsdruck auf den Bundeshaushalt (Entlastungspaket 2027). Konkrete Zahlen zum KI-Budget sind öffentlich nicht verfügbar.

Zum Vergleich: Für die Swiss Government Cloud wurde separat ein Verpflichtungskredit von 246,9 Mio. Franken beantragt – diese Infrastruktur dürfte auch für KI-Dienste relevant sein.

Einordnung

Die Stossrichtung stimmt: Der Bund will KI nicht einfach ignorieren oder wild experimentieren, sondern strukturiert einsetzen. Dass bereits 60–90 Projekte laufen, zeigt: Die Verwaltung ist weiter als ihr Ruf. Doch ohne klares Budget bleibt vieles Absichtserklärung. Besonders das bundesinterne KI-System für alle Mitarbeitenden könnte ein Meilenstein werden – wenn es denn finanziert wird. Für dich als Schweizer Steuerzahler heisst das: Die Verwaltung digitalisiert sich, aber ob das Tempo reicht, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

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